Sonntag, 1. Januar 2017

Buchempfehlung: "Der neue Untertan - Populismus, Postmoderne, Putin" (Boris Schumatsky)

https://www.amazon.de/gp/offer-listing/3701733775/ref=as_li_tl?ie=UTF8&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=3701733775&linkCode=am2&tag=dercoupon-21Ich habe das Buch zu Silvester gelesen und möchte es kurz rezensieren. Der Autor - man erkennt es schon an dem Namen - ist aus Russland. Er lebt und arbeitet seit über 20 Jahren in Deutschland. Der Autor ist sowohl des Russischen und auch des Deutschen mächtig und da sollte man eine kluge Analyse der gegenwärtigen Zustände erwarten.

Und diese Erwartungen werden auch nicht enttäuscht. Der Titel, "Der neue Untertan", zeigt ja, wohin die Reise geht: Der Autor beschäftigt sich mit der Fragestellung, warum Putin so viele Sympathisanten hat, sogenannte "Putinversteher". Ich liebe dieses Wort, weil es treffend das naiv-blinde Verständnis für den Autokraten Putin aufspießt.

Es geht natürlich auch um "links" und "rechts", die sich im Falle Putin doch recht einig sind. Bei AfD und Pegida tummeln sich erstaunlich viele Putinversteher herum. Putin unterstützt auch Victor Orbans Partei und den Front National finanziell, also Parteien vom rechten Rand. Das hält unsere Linkspartei wiederum nicht davon ab, stramm an der Seite Putins zu stehen. Wenn Moskau pfeift, wird gekuscht. Da hat sich seit Ernst Thälmann in dieser Partei nicht viel geändert.

Schumatsky macht folgende Ursachen diese vermeintliche "Querfront" zwischen links- und rechtsaußen  aus: 1. Antiamerikanismus, 2. Antisemitismus, 3. Hass auf den Westen, 4. Hang zu Verschwörungstheorien und einfachen Erklärungsmustern (Schuld sind der Westen, die Amis und die Juden). Ich habe lange auf ein solches Buch gewartet.

Auch ein intellektuelles Problem der Linken spricht Schumatzky offen an. So schreibt er, dass man in Russland die linken Friedensfreunde nicht verstanden hat, die gegen die Stationierung der Pershing-Raketen demonstrierten und dabei die SS-20-Raketen der UdSSR völlig vergaßen. Bedrohungen werden nur dann als Bedrohungen wahrgenommen, wenn sie aus dem Westen kommen. Diese Analyse des linken Denkens teile ich voll und ganz. Bekanntlich ist Krieg immer auch erst dann, sobald sich der Westen beteiligt. Die NATO hat noch nie einen Krieg zwecks Landgewinnung geführt, sondern immer dem Ziel, bestehende Konflikte einzudämmen. Der Krieg im Kosovo bekann für unsere linken Friedensfreunde erst, als NATO-Geschwader ausrückten. Was vorher geschah, war denen wurscht. Wenn eine offizielle NATO-Beteiligung nicht existiert, wird sie herbei gesponnen, wie im Falle des Konflikts in der Ukraine.

Apropos Ukraine: Putinversteher verweisen immer wieder darauf, in der Ukraine regieren nun Faschisten, die der Westen unterstützt. Sicherlich gibt es Faschisten, wie in jeder Gesellschaft dieser Welt. Aber die Swoboda, die faschistische Partei in der Ukraine, hat weniger als 5 % der Stimmen bekommen, was auf einen geringen Rückhalt in der Bevölkerung hinweist. Der Autor spricht auch diesen grandiosen Erfolg der putinschen Propaganda hin, der Putinversteher im Westen glauben lässt, in Kiew wären nun Faschisten an der Macht, während die Nationalisten in Moskau kein Thema ist. Ein schlichtes Gemüt wie Dirk Müller (dem man weder dem linken noch den rechten Spektrum zuordnen kann) berichtet ja auch immer aus seinem Bunker, dass da Faschisten in Kiew an der Macht wären.


Problematisch sehe ich, dass er die Kritik an der schrankenlose Einreise aus den arabischen Ländern mit einem Handstreich wegwischt und in die Populismusecke verbannt.  Die Menschen, die da aus dem arabischen Kulturkreis kommen, sind ja mehrheitlich vom gleichen Schlage wie unsere AfDler, Pegidianer und Linksparteiler, aber mit weniger Hemmung zu Gewalt. Die arabischen Gesellschaften haben es nicht vermocht, eine starke Bourgeoisie herauszubilden. Von dort kommen Untertanen, die sich für ein paar Dinar aufwiegeln lassen und beispielsweise gegen Dänemark demonstrieren. Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich möchte diese Leute hier in Deutschland nicht in diesen Massen haben. Wenn wir diese Leute in zu großer Zahl zu uns holen, dann wird sich Deutschland zum Negativen verändern. Auch die Geschehnisse in Köln vor einem Jahr redet er klein. Ich denke heute noch zurück an die antisemitischen Demonstrationen  im Sommer 2014 von "Palästinensern", die skandierten: "Hamas! Hamas! Juden ins Gas!", und "Jude, Jude, feiges Schwein. Komm heraus und kämpf allein."

Dennoch nehme ich einige kluge Gedanken mit. Gabriele Krone-Schmalz gekommt ihr Fett weg und es ist dokumentiert, wie sie nach Ausreden suchte, nachdem Putin offen zugab, dass die Russen die Krim mit militärischen Mitteln annektiert hatten.

Interessant finde ich auch die Einblicke in die russische Kultur. Das ist aus erster Hand und gewiss nicht von irgendwelchen russophilen Deutschen, die die Armut und die gesellschaftliche Rückständigkeit romantisch verklären. Das haben die Russen nicht verdient, von einer Gabriele Krone-Schmalz oder einem Matthias Platzeck vertreten zu werden. Als ein in der DDR geborener Deutscher möchte ich auch nicht von der Linkspartei vertreten werden und finde es immer beschämend, wenn Journalisten widersinnig behaupten, die Linkspartei würde sich besonders um die Probleme der Menschen in Ostdeutschland kümmern. Diese Leute haben die Probleme einst verursacht; da hieß die Partei noch SED. Wie kann man das vergessen?

Also wer eine gute Analyse zu den gegenwärtigen Entwicklungen rund um AfD, Pegida, den links- und rechtspopulistischen Entwicklungen in vielen europäischen Ländern lesen will, sollte das Buch lesen.

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