Sonntag, 5. Februar 2017

Über Börsengurus und Crashpropheten

Ich nahm gestern wieder Kostolanys letztes Buch ("Die Kunst über Geld nachzudenken") in die Hand, in der Hoffnung, das es doch etwas über Crashpropheten bereithält. Und es hat mich nicht enttäuscht. Es im Abschnitt über die Börsengurus zu finden:

"Eigenartigerweise sind die meisten Börsengurus Crashpropheten. Hausse-Gurus gibt es nur wenige."

Nach 20 Jahren stimmt es immer noch: Müller, Friedrich, Weik, Otte, Leuschel - Jeder produziert sich als Crashprophet. Gebetsmühlenartig wird behauptet, der Crash stehe vor der Tür. Plausibel begründet finde ich es nicht. Ich kenne die Bücher von Müller, Friedrich und Weik. Das sind teilweise aneinandergereihte Artikel. Hier eine Andeutung, da eine Andeutung. Vielleicht meinen die Herren Weltökonomen, sie bräuchten nicht stringent argumentieren. Die Herren Weltkökonomen orakeln und Orakelsprüche sind nicht natürlich so formuliert, dass sie am Ende stimmen. So kommt es, dass Friedrich und Weik heute in Talkshows behaupten, dass alles so eingetroffen wäre, wie sie behauptet hätten. Ich hätte glatt Lust, mir die Bücher noch einmal auszuleihen und Punkt für Punkt die Prognosen durchzugehen. Ich bin mir sicher, dass Friedrich und Weik nur selektiv vorgehen, wenn sie meinen, ihre Vorhersagen hätten gestimmt. Mal sehen, ob ich dafür Zeit finde.


Ich halte mich nicht an Crashpropheten. Ich bin Optimist. Ich erinnere mich noch an die Zeit von vor sechs Jahren, als Dirk Müller noch gesellschaftsfähig war und durch die Talkshows tingelte und meinte, Aktien dürfe man nicht haben. Wer darauf hörte, sich stattdessen einen Krügerrand zulegte, weil Müller meinte, vor 200 Jahren hätte man dafür einen Herrenanzug bekommen, und in 200 Jahren gibt's immer noch einen Herrenanzug dafür, hat eine Menge liegen gelassen.

Es war ziemlich dumm, auf die Crashpropheten zu hören und wird es auch bleiben. Man hätte Aktien kaufen müssen. Ich tat es in den letzten sieben Jahren, teilweise begründet mit den gleichen Argumenten. Immerhin hatte die genannten Crashpropheten einen wichtigen Punkt auf der Agenda: Inflation. Aufgrund der Schuldenkrise müssten sich Staat per Inflation entschulden. Diese Ansicht teilte ich. Die Crashpropheten sagten: "Kauft Gold!". Mein Schluss war: Jetzt erst richtig ordentlich Aktien, denn Aktien sind Sachwerte.

Bei Kostolany geht es aber noch weiter:

"Eigenartigerweise sind die meisten Börsengurus Crashpropheten. Hausse-Gurus gibt es nur wenige. Den Weltuntergang zu predigen, erregt eben mehr Aufsehen."

Und ich denke, das ist die Erklärung, warum Börsengurus meistens Crashpropheten werden. Bad news are good news. Daueroptimisten wie Tim Schäfer oder Kolja Barghoorn bekommen keine Einladung zu Lanz oder Maischberger. Mit Optimismus stehen die Chancen schlecht auf ein Kamingespräch mit Volker Panzer. Dirk Müller war da mal eingeladen.

Ich bin optimistisch. Das mag vielen nicht gefallen. Wahrscheinlich kommen die Fans der genannten Crashpropheten gleich wieder aus ihren Löchern gekrochen und bewerfen mich mit ihrem verbalen Unrat. Juckt mich nicht, denn meine Performance der letzten Jahre gibt mir recht und dene unrecht. Ich werbe dafür, optimistisch  zu sein, denn das macht richtig Spaß. Da macht das Wählen der FDP noch mehr Spaß. Ich fand es alle die Jahre belustigend, wie einige Leute meinten, nicht verstehen zu können, wer da immer die FDP wähle. (Ich rechnete der FDP und Westerwelle immer an, dass sie auch Optimismus verbreiteten.)

Ein Vortrag, den ich schon vor ein paar Jahren gesehen habe, ist von Michael Miersch. Natürlich im FDP-Umfeld:





Schaut selbst. Mir gefällt besonders der Schlusssatz, mit dem ich auch diesen Blogartikel beendet möchte: "Nichts ist heute subversiver als Optimismus."

Kommentare:

  1. Einer meiner Lieblingssprüche über die Börse ist, dass es immer gute Gründe gibt keine Aktien zu kaufen. Wohl besonders hier in Deutschland.

    Ich habe ebenfalls diverse der Werke der Crashpropheten über die lokale Stadtbücherei ausgeliehen und gelesen. Hinterher war ich nicht wirklich schlauer. Soll ich ja auch nicht sein, denn alles ist so komplex, dass ich ihre Fonds kaufen soll.

    Kaufen, nachkaufen, liegenlassen. Und von mir aus in Übertreibungsphasen auch mal Gewinne mitnehmen.

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  2. "Wahrscheinlich kommen die Fans der genannten Crashpropheten gleich wieder aus ihren Löchern gekrochen..." Nein, von meiner Seite 100 % d'accord :-)

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  3. Dazu gibt es ein antiquarisches Büchlein aus dem letzten Jahrhundert mit dem Titel: "Das Geschäft mit dem Pessimismus". Dort ist das alles gut beschrieben.

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  4. Ein Beispiel, dass eigentlich jeder verstehen sollte. Nehmen wir 8 Prozent an:

    DAX-Stand an meinem 32. Geburtstag 2017: 11.600

    DAX-Stand an meinem 42. Geburtstag 2027: 25.000

    DAX-Stand an meinem 52. Geburtstag 2037: 54.000

    DAX-Stand an meinem 62. Geburtstag 2047: 116.000

    Soll ich noch weiter machen? Das hat nichts mit Pessimismus, sondern einfacher Mathematik zu tun.

    Also woher soll dieses exponentielle Wirtschaftswachstum herkommen? Es werden heute schon nicht mehr die Wachstumsraten früherer Jahrzehnte erreicht. Das wäre ja alles nicht so schlimm, wenn unser Geldsystem nicht exponentielles Wirtschaftswachstum braucht, um nicht einzustürzen.

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    1. Wecher durchschnittliche Gewinne p.a. der (in wechselnder Zusammensetzung) größten 30 deutschen börsennotierten Unternehmen ist denn anzunehmen? Glauben Sie, dass selbst unter Annahme der Ausbeutung aller Rohstoffe in den nächsten 20 Jahren kein Unternehmen mehr Produkte und Dienstleistungen anbietet, mit denen ein Gewinn erzielt werden kann? Wenn ja, wer genau soll dann überhaupt noch Produkte und Dienstleistungen anbieten?

      Landen wir zwangsläufig im Kommunismus, wie es der alte Karl vorhergesagt hat? Gibt es dann den zementierten "Status Quo" oder wird es einen Fortschritt bzw. "Gewinn" geben?

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    2. Jedenfalls keine exponentiell wachsendende Realwirtschaft, weil es dieses Wachstum nur bei Krebszellen gibt und selbst dort irgendwann zum Tod des Wirts führt. Durch billiges Geld lassen sich natürlich weiterhin die Börsenkurse entsprechend steigern, aber das ist kein Wirtschaftswachstum.

      Nein, das glaube ich nicht, aber es braucht exponentielles Wirtschaftswachstum, um NUR den jetzigen Status erhalten zu können.

      Das hoffe ich nicht, weil er (Kommunismus) nicht die Grundproblematik löst. Im besten Fall wird es zu einer Überarbeitung des jetzigen Geldsystems kommen, im schlimmsten Fall wieder zu einem neuen Führer. Radikale Tendenzen in vielen westlichen Industriestaaten sind heute schon zu spüren, weil die Mittelschichten immer mehr unter Druck geraten. Der Brexit und Präsident Trump waren (leider) erst der Anfang. Aber auch linke und religiöse Strömungen sind auf dem Vormarsch. Die Spaltungen der Gesellschaften werden weiter zunehmen.

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    3. Freelancer Sebastian11. Februar 2017 um 09:12

      Diese Denkweise (Krebs) hatte ich früher auch. Hier zwei Artikel dazu:

      http://www.nachdenkseiten.de/?p=10530

      https://anarchonaut.wordpress.com/wieso-die-zinseszins-kritik-falsch-ist-2/

      Es gibt sicher kritikwürdige Umstände des Geld/Wirtschaftssystems. Gibt es aber bessere Alternativen?

      Wie lebten Fabrikbesitzer und Arbeiterklasse zu Beginn des 19. Jh?

      Nach all den Jahren von Wirtschaftswachstum und Zinseszins - wie geht es uns Bürgern in den entwickelten, kapitalistischen Industrienationen heute?

      Lassen wir mal psychische Probleme - hier kann jeder dem Arbeits- und Konsumwahn selbst widerstehen - bei Seite. Es geht uns materiell heute viel, viel besser als damals.

      Trotz oder wegen des Zinseszinses....?

      Dass sich die Gesellschaft immer neu weiterentwickelt ist auch dem Geldsystem zu verdanken. Geld ist Energie, die dort "hinschwappt", wo Fortschritt entsteht.

      Welchen Wert hatte Google vor 20 Jahren? Null.
      Und heute? Mehrere Milliarden Dollar an Werten (über die man streiten kann) wurden geschaffen.

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    4. Freelancer Sebastian11. Februar 2017 um 09:33

      Dieser Artikel dürfte dich auch interessieren:

      http://www.nachdenkseiten.de/?p=9169

      Schau dir mal Punkt 9 der Kritik an.

      Als progressiver Optimist, lerne ich gerne und mißtraue ALLEN Dogmen, die so vorgetragen werden - egal von welcher Seite.

      Man sollte wohl - ganz im Sinne der Dialektik - Argumente sachlich austauschen und nicht darauf bestehen, die absolute Wahrheit zu vertreten.

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  5. Danke für die vielen Links, die ich mir nachher anschauen werde.

    Nun, es ist unbestritten, dass unser jetziges Geldsystem unglaublichen Fortschritt bringen kann, wenn die (rechts)staatlichen, politischen und geografischen Grundbedingungen stimmen. Es übt enormen Druck aus. Zu einem großen Teil ist unser Wohlstand aber auch auf Pump und der Ausbeutung von Natur und anderen Staaten entstanden.

    Am Anfang (nehmen wir das Ende des 2. Weltkriegs) funktionierte dieses System prima, weil alles neu aufgebaut werden musste und Guthaben und Schulden im Gesamtsystem wieder niedrig waren. Von einem niedrigen Niveau her kommend, ließen sich enorme Wachstumsraten erzielen. Jeder nachfolgenden Generation konnte es nur besser gehen.

    Nun sind wir aber wieder an einem Punkt wie vor dem 2. Weltkrieg angekommen, andem wir auf natürliche Grenzen stoßen. Enorme Schulden im Gesamtsystem haben sich aufgetürmt, das frühere Wachstum ist zurückgegangen, die Mittelschichten müssen immer härter kämpfen. Bricht diese immer mehr weg und werden die wahren Hintergründe dafür nicht erkannt, kann es theoretisch wieder zu leichten VerFÜHRERN kommen.

    In Deutschland geht es uns noch relativ gut, aber fragt mal beispielsweise die Griechen. Ja, durch mehr Misswirtschaft kam es dort zu einem schnelleren Zusammenbruch, aber auch wir werden irgendwann (wieder) dran sein. Das ist leider systemimmanent.

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  6. Was ich auch ganz spannend finde: Ich gehöre zu den Systemgewinnern, weil ich mehr ,,Zinsen" aus dem Gesamtsystem heraushole, als ich als Privatperson (Kredite/Darlehen), Staatsbürger (Steuern/Abgaben), Mieter (Miete) und Verbraucher/Kunde (Unternehmen) als Zinslast einzahle.

    Nun könnte ich sagen: Dann ist ja alles prima, aber zirka 90 Prozent meiner Mitbürger würden dies bestreiten, wenn sie mal eigene Rechnungen aufstellen würden.

    Also nicht vergessen: Selbst wenn man keine privaten Schulden und ein paar Euro an Kapitalerträgen hat, vielleicht sogar mietfrei wohnt, zahlt man als Verbraucher und Staatsbürger dennoch Zinsen und gehört noch lange nicht zu den Gewinnern. ;-)

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  7. Zu Link 1: Er überzeugt mich überhaupt nicht. Natürlich kann man den Zins als eine Art Risiko- und (Ab)nutzungsprämie ansehen. Wenn ich einem Fremden etwas Reales leihe oder zur Verfügung stelle, möchte ich etwas mehr zurückbekommen. Nur: Das meiste Geld (Giralgeld) wird von den Geschäftsbanken einfach aus dem Nichts geschöpft (es war vorher nicht da), nicht von den Einlagen der Sparer genommen, was widerum auch nur Schuldgeld ist, die weitergereicht werden. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum.

    Das Perfide: Es steht kein realer Wert dahinter, weil es als Schuldgeld in Umlauf kommt und die benötigten Zinsen zur Rückzahlung nicht mitgeschöpft werden, aber wenn der Schuldner seinen Kredit nicht mehr bedienen kann, ihm dessen reale Vermögenswerte und Sicherheiten genommen werden dürfen. Schön, dieses Privileg hätte ich auch gern.

    Dazu kommt, dass jeder Schuld zwingend ein Guthaben gegenüberstehen muss. Werden Schulden getilgt, wird automatisch Guthaben vernichtet. Es können niemals alle schuldenfrei sein, sonst würde es kein Geld mehr geben. Und unser Geldsystem braucht zwingend immer mehr solvente Schuldner, um weiter wachsen zu können. Macht der Staat keine weitere Schulden mehr, müssen es die Unternehmen oder wir Privathaushalte machen. Oder machen alle Privathaushalte keine Schulden mehr, ...

    Dann wird argumentiert, dass das Beispiel mit dem Josefspfennig schwachsinnig ist, weil es kein Risiko, keine wirtschaftlichen und politischen Krisen und keine Geldreformen beinhaltet. Genau das ist doch der Beweis dafür, dass unser jetziges Geldsystem nur eine gewisse Halbwertszeit hat. Wir können das jetzige Spielchen natürlich weiterhin alle paar Jahrzehnte resetten und wieder von vorne beginnen, aber das löst die Grundprobleme nicht.

    Weiter wird argumentiert, dass erhaltene Zinsen ständig fließen, aber das stimmt nicht. Es sammelt sich immer mehr Guthaben in immer weniger Händen an, dass dem Kreislauf entzogen ist und zusätzlich verzinst werden möchte. Geldhortung ist ein zusätzliches Problem.

    Zum Schluss wird geschrieben, dass billiges Geld die Konjunktur ankurbelt, aber wo ist denn das viele billige Geld der EZB bisher gelandet? Nicht in der Realwirtschaft, sonst müssten wir eine viel höhere Inflation haben. Und warum mussten die Zinshöhen überhaupt immer weiter abgesenkt werden? Weil sonst viele Staaten der Reihe nach pleitegehen würden.

    Vielleicht schreibe ich noch etwas zu den anderen Links, aber ich bleibe bei meiner Kritik am derzeitigen Geldsystem, obwohl ich zu den Gewinnern gehöre. Sicherlich habe ich vieles in meinem Leben richtig gemacht und Chancen genutzt, aber der Spruch ,,Jeder ist seines Glückes Schmied" und ,,Jeder, der es nicht geschafft hat, war einfach nur zu dumm und faul" ist eine Lüge, weil es mathematisch nicht möglich ist, dass wir alle zu den Gewinnern zählen können. :-)

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    1. Respekt! So klar die Situation auf den Punkt zu bringen ist eine reife Leistung. Ich bin zu 100% Ihrer Meinung und nein.... ich bin kein Pessimist sondern gehe mit offenen Augen und wachem Geist durchs Leben.

      Jedes Papiergeldwährung der Menschheitsgeschichte basierend auf dem Zinseszins ist bisher an seine Grenzen gestoßen und das schuldenbasierten Papiergeldes ist zu seinem inneren Wert zurückgekehrt. Dieser innere Wert ist NULL!

      So wie es im Volksmund kein schlechtes Wetter gibt sondern nur unpassende Kleidung so gibt es auch hier nur für die geldpolitische Situation unpassende Anlagen. Mit den passenden Anlageformen hat man bei einem "Finanzgewitter" kein Problem sondern steht sogar auf der Sonnenseite, denn oft ist die Grundlage großer Vermögen in der Krise gelegt worden. ;-)

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