Samstag, 11. März 2017

Die Verteidiger der Energiewende und ihre Rechenfähigkeiten

Ich las heute wieder einen Artikel auf SPON, der es in sich hat. Ich ärgerte mich fast, dass ich nicht mehr angemeldet bin, um den Artikel zu kommentieren, aber andere Kommentatoren hatten auch schon in die Kerbe geschlagen. Es geht in dem Artikel geht es um Gemüseanbau in der Vertikalen, also auch auf viele Etagen, wobei jede einzelne Etage mit künstlichem Licht beleuchtet wird. Am Ende heißt es:

Bei allem Fleiß und Engagement: Noch ist der Anbau des Salats, der Tomaten oder des Basilikums zu teuer für den Massenmarkt. Die Produktionskosten von nur einem Kilo Gemüse liegen bei zwölf Euro. Damit ist das Konzept in den Weltregionen, die die neuen Systeme am nötigsten bräuchten, wirtschaftlich sinnlos. Auch der Energiebedarf der vertikalen Farmen ist enorm. In angedachten DLR-Farm läge er bei mehr als 400.000 Kilowattstunden pro Jahr - so viel wie das stärkste Atomkraftwerk Deutschlands, Isar 2, in fünf Tagen produziert. 
 
Ich fand die Zahl von 400.000 kWh in fünf Tagen recht wenig. Das wären gerade mal 29.200.000 kWh pro Jahr oder 29,2 GWh. Eine Megawattstunde kostet an der Strombörse ca. 30 €. Kann es sein, dass Isar Strom jährlich für 876.000 € produziert? Natürlich nicht.

Das sind die gleichen Journalisten, die uns die Energiewende schmackhaft machen wollen. Isar 2 hat eine Leistung von 1410 MW. Da Jahr hat 8760 h. Gehen wir von 60 % Auslastung aus, dann reden wir von 5256 h. 7.410.960 MWh im Jahr oder von 20.304 MWh pro Tag. Das sind 20.304.000 kWh pro Tag. 400.000 kWh sind in ca. einem fünfzigstel Tag  (ca. eine halbe Stunde) generiert.

Es wird aber auch ein Denkfehler im Artikel offenbart, den mach auch bei den Pamphleten zur Energiewende immer wieder findet: Es wird nur die elektrische Arbeit gesehen, aber man will nicht sehen, wann sie anfällt. Wenn um Pfingsten herum die Solarzellen Rekordleistung in die Netze speisen, dann machen die Apologeten der Energiewende auf dicke Hose und übersehen dabei, dass diese elektrische Leistung wertlos ist, weil sie nicht gebraucht wird.

Fakt ist: Selbst heute noch produzieren unsere Kraftwerke nachts Strom, der  nicht gebraucht wird, obwohl die Kraftwerke runtergefahren werden. Zusätzliche Abnehmer in der Nacht können die Auslastung verbessern und das wäre wirtschaftlich vorteilhaft; die zusätzliche Leistung gäbe es für lau. Unsere Energiewendefreunde sind ja auch Fans von den intelligenten Haushaltsgeräten, die dann angehen, wenn der Strompreis billig ist. Dann rattert die Waschmaschine zum Leidwesen der Nachbarn um 3 Uhr nachts. Bevor man an die Haushaltselektronik denkt, sollte man doch eher an die Beleuchtung in diesen "Pflanzenfabriken" ran.

Mangelnde Wirtschaftlichkeit kommt wohl nicht vom Energieverbrauch, sondern vom konkurrenzlos günstigen Ackerland und der noch viel effizienteren Bewirtschaftung.

Kommentare:

  1. 400.000 kWh sind 400 MWh, d.h. pro Jahr würden immerhin 29.200 MWh (also 29,2 GWh) produziert. Das wäre dann zwar auch noch viel weniger als in der Realität, aber wenn man die Rechenschwäche der Journalisten anmahnt, sollten man selbst nicht solch einen Fehler im Artikel haben.

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  2. Ich bin natürlich dankbar, wenn man mich auf Fehler hinweist. Dennoch werde ich nicht bezahlt und ich habe kein Lektoriat hinter mir.

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  3. Kern der Aussage war ja, es ist (noch) zu teuer. Ich denke oder hoffe doch mal, dass die 12 Euro/kg von den Betreibern der Prototypen oder wer auch immer bestätigt oder selbst so postuliert wurde. Diese Rechnung im letzten Absatz ist für mich eher schnödes Beiwerk, nichts, worüber man sich aufregen müsste. Ansonsten ein recht harmloser Artikel in meinen Augen. Vielleicht einen leicht skeptischen Unterton aus moralisch/ethischer Sicht gegen diese Entwicklung, aber nun nichts so Schlimmes.

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