Donnerstag, 27. Juli 2017

Die "rechtswidrige" Besatzung der Golanhöhen

Immer wieder muss ich lesen, Israel sei Besatzer. Wovon eigentlich? Aus Gaza ist Israel schon lange raus, Cisjordanien ist ein umstrittenes Gebiet. Es war mal besetzt, als Jordanien dort einfiel und Israel vertrieb diese jordanischen Besatzer. Aber heute soll es um die Golanhöhen gehen, denn die sind tatsächlich besetzt. Ausschlaggebend für meinen heutigen Artikel war die Äußerung eines Foristen bei "WELT Online":
Wollen wir mal hoffen das sie nicht mal verurteilt werden für etwas was ein anderer getan hat. Wer ein Gebiet rechtswidrig besetzt hält spielt dort mit dem Feuer. Aber ich verstehe man ist sofort antisemit wenn man nicht pro Israel eingestellt ist.

Ich sehe kritisch, dass er von einer rechtswidrigen Besatzung spricht. Die Besatzung ist eine Folge des Sechstagekrieg von 1967. Formell gesehen war der Sechstagekrieg ein Angriff Israels, aber nicht zum Zwecke der Landgewinnung. Es war ein Präventivschlag gegen Syrien, Ägypten und Jordanien. Diese drei Länder hatten ihre Streitkräfte hochgerüstet und in Stellung gebracht. Hätte Israel nicht diesen Präventivschlag vollzogen, es wäre vernichtet worden. Ich wüsste keinen Präventivschlag aus der Geschichte, der rechtlich und moralisch so sauber zu bewerten ist.

Es wurde der Sinai erobert und als Faustpfand war der Sinai sehr nützlich, um Ägypten einen Friedensvertrag abzutrotzen. Eine andere Eroberung waren die Golanhöhen. Die sind militärstrategisch wichtig. Syriens Artillerie nutzte die Golanhöhen, um Israel zu beschießen.

Der Status quo der Golanhöhen ist seit dem Sechstagekrieg unverändert. Eine Rückgabe sehe ich nicht als zwingend notwendig an. Entscheidend ist meines Erachtens, was die dortige Bevölkerung will und wer verantwortungsvoller mit dem Land umgeht. Eindeutig Israel. Zwingend notwendig für eine Rückgabe an Syrien ist aber ein Frieden zwischen Israel und Syrien. Momentan befinden sich beide Parteien immer noch im Kriegszustand. Im regulären Krieg eine Besatzung als rechtswidrig zu deklarieren, ist unlogisch, weil die Besatzung innerhalb eines Krieges, ein rechtmäßiger Zustand ist.

Ein weiteres Problem ist, dass Syrien Israel nicht anerkennt und nicht bereit ist, mit Israel zu verhandeln. Dass die Golanhöhen von Israel besetzt sind, ist eine logische Folge syrischer Außenpolitik. Nun sind die Golanhöhen schon so lange in israelischer Hand, dass ein Zurückdrehen, selbst wenn es zum Frieden zwischen Syrien und Israel kommen sollte, schwer sein dürfte. Das wäre ein Verbrechen gegen die dort ansässige Bevölkerung. Die meisten dortigen Drusen werden lieber israelische Staatsbürger als syrische sein.

Ist der Kommentator ein Antisemit? Ich denke schon. Er misst mit zweierlei Maß, er verkennt die Situation, warum die Golanhöhen besetzt wurden (gewiss nicht aus Bosheit und Gebietsgewinnung, denn Israel hätte bis Damaskus durchmarschieren können, was sie nicht machten) und er begibt sich die Opferrolle, wonach alle Kritiker Israels des Antisemitismus verdächtigt werden.

Kommentare:

  1. Was stimmt mit Ihnen eigentlich nicht? Nur weil jemand nicht Ihrer Auffassung ist, ist er gleich Antisemit? So richtig faktisch können Sie ihre Behauptungen ja auch nicht Begründen. Einen Präventivschlag als sauber zu bewerten ist Subjektiv. Rein formell befinden sie sich im Kriegszustand. Rein formell ist auch der 2. Weltkrieg noch nicht zu Ende. Sie argumentieren Subjektiv, scheinen sich Ja an diesem Thema zu ergötzen. Es scheint ihnen viel mehr darum zu gehen andere als Antisemit bezeichnen zu können. Damit sind sie für mich ein viel kürzer denkender Mensch als jeder Antisemit, vom Prinzip begeben Sie sich auf eine schlechtere Stufe. Viel Spaß noch dabei andere zu beschimpfen.

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    1. Er hat sich antisemitisch geäußert. Wo ist das Problem?

      Und nein, einen Präventivschlag als sauber oder berechtigt zu bezeichnen, ist ganz und gar nicht subjektiv, sondern im Falle des Sechstagekrieges sind die Fakten eindeutig. Da war einerseits die Aufrüstung Ägyptens und Syriens. Es gab vorher jahrelang Kriegsdrohungen aus der Richtung. Israel musste davon ausgehen, es von Ägypten und Syrien in den Zange genommen werden sollte.

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  2. "Ein weiteres Problem ist, dass Syrien Israel nicht anerkennt und nicht bereit ist, mit Israel zu verhandeln. Dass die Golanhöhen von Israel besetzt sind, ist eine logische Folge syrischer Außenpolitik."
    Das heisst, wenn jemand die andere Partei nicht anerkennt, ist es die logische Folge, dass diese Partei besetzt? Mag sein, macht die Sache aber nicht besser.

    ps. ich gehe nicht auf die Sache ein, da stimme ich dir zu. Ich gehe auf dieses aeine bstruse Argument ein. ;)

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    1. Ich finde mein Argument stimmig. Die syrische Außenpolitik bestand ja nicht nur dem Nichtanerkennung des israelischen Staates. Syrien hat mehrere Kriege gegen Israel unternommen und die Golanhöhen im Sechstagekrieg verloren. Der Jom-Kippur-Krieg folgte dem Sechstagekrieg und ging von Syrien aus. Syrien konnte die Golanhöhen nicht zurückerobern. Syrien setzt seit einiger Zeit auf die UNO und verlangt von Israel die Golanhöhen zurück. Israels Besatzung wird als rechtswidrig tituliert.

      Syrien ist sich für nichts zu schade. Ich bin der Auffassung, dass ein kriegstreiberischer Staat wie Syrien es nicht anders verdient hat. Israel erkennt immer Syrien an, Syrien aber Israel nicht.

      Syrien ist wie die beleidigte Leberwurst im Kindergarten: Ständig am Stänkern, aber wenn ein anderes Kind das Lieblingsspielzeug hat, ist es beleidigt. Dann pocht es plötzlich auf ein Recht, das es selber anderen nicht zugesteht.

      Syrien will etwas zurückhaben, aber nicht den notwendigen Friedensvertrag unterzeichnen.

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  3. "Ich finde mein Argument stimmig. Die syrische Außenpolitik bestand ja nicht nur dem Nichtanerkennung des israelischen Staates. <...>"
    Richtig. Das ist aber jetzt ein anderes Argument.

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    1. Nein, wenn ein Land einem anderen Land den Krieg erklärt, dann ist das ein Teil von Außenpolitik.

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  4. Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
    Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
    Wenn hinten, weit, in der Türkei,
    Die Völker aufeinander schlagen.

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