Sonntag, 23. Juli 2017

Rassismus, Islamophobie und Antisemitismus

Wir leben im antirassistischen Zeitalter. Es gibt "Aufstehen gegen Rassismus", "Internationale Woche gegen Rassismus", "Gemeinsam gegen Rassismus", "Stiftung gegen Rassismus", "Klappe gegen Rassismus", "Amnesty gegen Rassismus", "Wein gegen Rassismus","Aktiv gegen Rassismus" und "Schule gegen Rassismus". Ich habe den Eindruck, dass man möglichst häufig irgendwo das Etikett "gegen Rassismus" draufpappen will, um den schönen Schein zu wahren und um einer ernsthaften Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen. Es erinnert mich immer mehr an den offiziellen Antifaschismus der DDR, der es nicht vermochte, dem Fremdenhass und dem zunehmenden Rechtsextremismus in der DDR der 80er etwas entgegenzusetzen.

Meine Haltung gegen diese ganzen Maßnahmen erhielt die entscheidende Wende, als in Berlin ein jüdischer Junge eine Schule verlassen musste, weil seine muslimischen Mitschüler ihm das Leben zur Hölle machten. Diese Schule war auch bei der Initiative "Schule gegen Rassismus" dabei. In meinem Wohnort passiere ich auch regelmäßig zwei verschiedene Schulgelände, aber erst nach dem Vorfall in Berlin sind mir die angebrachten schwarz-weißen Schilder aufgefallen. Und irgendwie war ich angewidert, denn die Schule in Berlin hat sich hinter ihrem Schild zu verstecken versucht. Genauso auch die Elternvertretung. Mit anderen Worten: Man wollte den Vorfall so klein wie möglich halten, was ich mich wiederum an einen 15 Jahre alten Vorfall erinnert, als man das Offensichtliche nicht sehen wollte: Glatzköpfige Dumpfbacken jagten eine Gruppe Inder durch die Gassen, aber statt von einem fremdenfeindlichen Angriff sprach man von einer "Wirtshausschlägerei".

Neben dieser ernsthaften Auseinandersetzung mit tatsächlichen Problemen, stört mich noch einiges.

1. Antisemitismus wird immer als eine Spielart des Rassismus abgetan. Ich sehe das anders und ich will begründen. Laut Adorno ist der Antisemitismus das "Gerücht über die Juden", also weit mehr als ein Hass gegen die Juden. Der Rassismus gegen die Schwarzen beinhaltete vor allem die These, die Schwarzen seien minderwertig. Das Gleiche galt gegenüber den Zigeunern. Aber niemand kam auf die Idee, von den "Negern an der Wallstreet" zu sprechen, die alle Fäden in der Hand hätten. Wo sitzen Zigeuner in den Hinterzimmern? Den Juden dagegen unterstellt man dagegen, stets und ständig konspirativ aus Hinterzimmern heraus zu handeln, zu Lasten der restlichen Menschheit. Als am 11. September 2001 die Anschläge auf das World Trade Center vollzogen wurden, dauerte es nicht lange, bis die ersten Verschwörungstheorien auf dem Tisch lagen: Die Juden waren es. Wer auch sonst? Angeblich gab es nicht in einen Juden in den Türmen. Sicherlich stimmt das nicht, aber eher wahrscheinlich ist doch, dass nicht ein einziger Sinti an dem Tag in einen der Hochhäuser arbeitete. Dass sich niemand diese Frage stellt, ist der Grund, warum der Antisemitismus kein Rassismus unter verschiedenen Rassismen sein kann. Und warum soll eine jüdische Weltverschwörung die Anschläge planen und durchführen, aber die Juden vorwarnen, die da arbeiten? Es gibt Verschwörungtheoretiker, die den Rothschilds und der jüdischen Weltverschwörung unterstellen, dass sie Hitler unterstützt hätten, finanziell wie ideell, um hinterher Deutschland jahrzehntelang etwas vorhalten zu können. Ist das nicht verrückt? Man wirft der jüdischen Weltverschwörung beides vor: Einerseits ausschließlich die Juden aus dem WTC vorgewarnt zu haben, andererseits aber hätte sie millionenfachen Mord an den europäischen Juden gebilligt. Der Antisemit wirft dem Juden alles vor, auch das Gegenteil.

Dass Antisemitismus nicht nur ein Rassismus unter vielen ist, sondern eine krankhafte Welterklärungtheorie, die jede Verantwortung einer jeden Unbill den Juden zuschiebt, geht einfach unter.

2. Die Gleichsetzung von Antisemitismus und Hass gegen Muslime finde ich fatal. Islamophobie sei der Antisemitismus von heute, musste ich kürzlich irgendwo lesen. Was Antisemitismus ist, habe ich gerade geklärt. Animositäten gegen Moslems gibt's, aber anders als in den 90ern sehe ich den nicht gesellschaftlich relevant. Problematisch ist dabei, dass man den arabischen und türkischen Zuwandern, die ja meistens islamischen Glaubens sind, eine bequeme Opferrolle anbietet, in die sie gerne schlüpfen. Damit hilft man diesen Menschen nicht. Der türkische Schüler wird sich nicht mit berechtigter Kritik auseinandersetzen, sondern sofort den Vorwurf "Nazi" oder "Rassist" absondern. Eine ängstliche Lehrerschaft und Gesellschaft gibt es dann irgendwann auf, einen verzogenen Jungtürken den Kopf zu waschen.

3. Ich mag auch den Begriff Islamophobie nicht. Er wurde von Ajatollah Khomeini in die Welt gesetzt. Ich komme damit nicht klar, weil eine Phobie eine irrationale Angst ist. Was ist aber, wenn jemand ganz rationale und begründete Ängste gegen die Islamisierung hat? Mit einem Etikett wie Islamophobie wird jede Angst gegen Islamisierung in den Bereich der Irrationalität verwiesen, zusammen mit der Arachnophobie. Da gibt's ja Therapeuten, die setzen ihren Patienten Vogelspinnen auf den Arm. Ob Islamophobie auch so einfach heilbar ist? Die Patientinnen probieren einen Niqab an und schon sind sie geheilt? Ich sehe den Islam mit seinem politischen und gesellschaftlichen Anspruch als höchst problematisch an, der die gesellschaftlichen Errungenschaften der letzten zweihundert Jahre zunichte machen könnte. Ich habe keine Phobie, sondern eine berechtigte Angst.

4. Ich mag die obigen Organisationen auch nicht, weil sie neben der bisher geschilderten Substanzlosigkeit einen bedeutenden Fehler machen: Sie konzentrieren sich auf den Rassismus der autochtonen Bevölkerung, was sogleich als "rechts" gebrandmarkt wird. Dass Araber und Türken rassistisch sein können, wird schön unter den Teppich gekehrt, sowohl gegen Juden als auch gegen Kurden. Und letztendlich ist auch ein linker Rassismus Manifest geworden: Menschen aus dem türkischen und arabischen Raum wird die Verantwortung für ihr Denken und Handeln vorenthalten, die Opferrolle dürfen sie aber immer ausfüllen.

Die ganzen Antirassismuskampagnen dienen heute vor allem der Manifestation der Opferrolle von Muslimen. Anstatt sich mit einem Phänomen wie Antisemitismus auseinanderzusetzen, fließen Gelder und Energie in Antirassismuskampagnen und dann wird so getan, man tue etwas gegen Antisemitismus. Tatsächlich aber wird Zeit und Geld nur dafür aufgewandt, Muslime als Opfer der Gesellschaft zu präsentieren. Das schafft nebenbei auch noch Arbeitsplätze. Schaut man sich die Seite https://www.aufstehen-gegen-rassismus.de/ genauer an, wird man feststellen, dass es sich eigentlich nur um die AfD dreht. Am 5. Dezember geht's auch um Trump, der als "autoritärer Rassist und Sexist" bezeichnet wird. Den Vogel abgeschossen hat der Beitrag vom 22. Dezember. In Berlin kaperte ein islamischer Terrorist ein Lkw und raste in einen Berliner Weihnachtsmarkt. Aber die Antirassisten haben nur Angst davor, dass die AfD die Vorfall für sich nutzen könnte. Man solle den Generalverdacht nicht zulassen.

Ich bin der Auffassung, man müsse mittlerweile einen Generalverdacht erheben. Jeder, der aus dem arabischen Raum kommt, ob als Asylsuchender oder als anderer Einwanderer, muss darauf abgeklopft werden, wie zum Islam steht, wie er zum Staate Israel steht, wie zur Apostasie und zur Homosexualität. Wenn wir das nicht machen, dann machen wir den wirklich Schutzbedürftigen das Leben in Deutschland zur Hölle. Mitunter werden heute Syrer unterschiedlicher Bürgerkriegsparteien in die selben Flüchtlingsheime gesperrt.

Den ganzen Veranstaltungen gegen Rassismus sollte man skeptisch begegnen.

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