Sonntag, 6. August 2017

Die kleine Schwester des Antisemitismus: Antiamerikanismus

Heute jährt sich der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima zum 72ten Male. Sicherlich ist es kein schöner Gedanke, dass über 100000 Menschenleben mit einem Fingerschnipp ausgelöscht wurden. Was mir aber tierisch auf eine Senkel geht sind die alljährlichen Betroffenheitsschreiberlinge zum Jahrestag.

Der moralische Furor steht uns nicht zu. Er ist zudem peinlich, zeugt eigentlich davon, dass nicht darüber nachgedacht wurde. Man begibt sich auf die bequeme absolute Position, dass Atomwaffen prinzipiell nicht genutzt werden dürfen. Bequem ist die Position deshalb, weil man selber nie in der Lage war, sich für oder gegen sie entscheiden zu müssen.

Sicherlich bin ich ein gebranntes Kind, der noch ein wenig DDR-Propaganda im Klassenzimmer inhalieren durfte. Man erzählte uns von den bösen Amis, die zwei amerikanische Städte mit Atombomben ausgelöscht haben. Man zeigte uns auch Fotos vom verbombten Dresden. Mir als Kind ist das damals noch nicht aufgefallen, aber im Rückblick muss ich sagen, dass doch eine Menge ausgeblendet wurde, um die Ereignisse seriös bewerten zu können. Dass man aber 7- und 8-jährige Kinder damit konfrontiert, die zu einer seriösen Bewertung gar nicht in der Lage wären, macht deutlich, was bezweckt wurde.

Als Erwachsener habe ich mich einiges über die Atombombenabwürfe gelesen und mir meine Gedanken gemacht. Ich halte die offizielle amerikanische Position für die plausibelste: Die beiden Abwürfe haben den Krieg schnell beendet und den Japanern wie den Amerikanern, sowie in den von Japan besetzten Völkern enorme Verluste erspart. Die Theorien mancher Historiker, wonach wahlweise der Kriegseintritt der UdSSR ausschlaggebend oder die Japaner ohnehin kapitulieren wollten, finde ich äußerst dürftig. Wo haben die ihre Informationen her? Fakt ist doch, dass die Japaner erst nach Nagasaki einlenkten. Fakt ist, dass die UdSSR auch früher hätte eingreifen können, wenn sie gewollt hätte. War das eigentliche Kriegsverbrechen dann nicht, dass die UdSSR so lange zögerten? Hätte Stalin schon 1943 seine Truppen in die Mandschurei geschickt, dann hätte Japan vielleicht schon 1944 kapituliert? Es wäre gar nicht zu den beiden Atombombenabwürfen gekommen.

Nun macht niemand der UdSSR deswegen Vorwürfe, weil die ja schon enorme Arbeit an der Westfront hatten, zum großen Teil selbst verschuldet durch militärische Inkompetenz. Die UdSSR war sogar Mitinitiator des Krieges in Europa. (Ohne den Hitler-Stalin-Pakt wären die Deutschen nicht in Polen einmarschiert.) Die Vorwürfe an die UdSSR fallen sehr bescheiden aus. Man kapriziert sich auf die Amerikaner und erklären kann ich es mir nur damit, dass da antiamerikanische Bedürfnisse gestillt werden müssen.

Wie jener Kommentar. Da werden Hiroshima, Afghanistan und Irak in einen Topf geworfen und er merkt seine Widersprüche nicht einmal. Diese Art des Antiamerikanismus ist es auch, die mich bewogen hat, mich zu diesem Thema zu äußern. Bombardieren die USA ein Land, wirft man es ihnen vor. Bombardieren sie nicht, wirft man ihnen vor, dass sie tatenlos zuschauen. Bei Sanktionen genau das gleiche. Im Kommentar wird sogar das Abschneiden der Japaner von den Rohstoffen als völkerrechtswidrig angeklagt. Das muss man sich mal vorstellen: Die Japaner besetzen und rauben Südostasien aus, aber das einzige, was der Herr Kommentator anklagenswert findet, ist das Abschneiden von den geraubten Rohstoffen durch die Amerikaner.

Den Westallierten wird ja auch vorgeworfen, die Gleise nach Auschwitz nicht bombardiert zu haben. Diese Anklage fällt größer aus als den Sowjets gegenüber (deren Bomberstaffeln den kürzeren Weg gehabt hätten) und den Deutschen, die das eigentliche Verbrechen begingen. Man stelle sich vor, die Westallierten hätten es getan und die Gleise nach Auschwitz bombardiert? Der Kommentator vom Blog "An und für sich" hätte sich darauf versteift, die Amerikaner hätten "völkerrechtswidrig" die Deutschen von der Rohstoffversorgung abgeschnitten: Textilien, Leder und Zahngold.

Das ist zynisch, aber ich führe nur die Gedankengänge jenes Herrn fort. Der Antiamerikaner schämt sich nicht, solche Gedanken zu haben. Sein Ressentiment lädt er mit moralischer Überlegenheit auf, die er nicht besitzt.

Kommentare:

  1. Freelancer Sebastian7. August 2017 um 10:51

    Warum tust du dir das eigentlich an? Man bekommt den Eindruck, dass du regelmäßig durchs Netz surfst, um dich über irgendetwas aufregen zu können. Ist dir langweilig?

    Wenn dir bspw. die jüdische Kultur so sehr am Herzen liegt, könntest du doch einmal nach Israel reisen und dort mit den Menschen in Kontakt kommen. Oder du engagierst dich in Organisationen wie Amcha Deutschland oder Marsch des Lebens.

    So übst du ganz konkrete Nächstenliebe an deinen Mitmenschen, anstatt dich über konträre Meinungen im Netz anfzuregen. Damit änderst du nämlich nichts.

    Das echte Leben findet draußen statt und nicht vor dem Monitor. Bitte verstehe das als ernst gemeinten Ratschlag und nicht als Besserwisserei.

    Ich musste auch erst lernen, dass es im Internet nur so von Trollen und erbärmlichen Existenzen wimmelt, die ihre kruden Meinungen kund tun müssen, um Aufmerksamkeit zu erhaschen (in der Regel männliche Singles ohne Partner und Kinder).

    Meine wertvolle Zeit verschwendete ich für Repliken ohne jede positive Wirkung, nur um mich besser zu fühlen. Ändert das etwas? Nö!

    Die beste Waffe ist Mißachtung. Nicht darauf eingehen, sie im Kämmerlein allein schwurbeln lassen. Ändere die Welt doch lieber proaktiv zum Guten. Du tust dir selbst einen Gefallen damit, glaube mir.

    P.S. Was macht eigentlich Justin?

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  2. Hallo Coupenschneider,
    ich muss dich leider etwas korrigieren.
    Die Japaner haben nach den beiden Atombombenabwürfen noch lange nicht an Kapitulation oder Frieden gedacht.
    Mann muss sogar noch etwas mehr differenzieren, der japanische Kaiser hat noch lange nicht an Kapitulation gedacht. Und nur sein Wort hat im Kaiserreich Japan gezählt.
    Erst als die Amerikaner dem japanischer Kaiser zugesichert haben, dass seine Monarchie nach Kriegsende erhalten bleibt, hat der Kaiser in Friedensverhandlungen eingewilligt.
    Die Atombomben haben überhaupt nicht dazu beigetragen, dass sich Japan ergibt.
    Die USA haben schon Invasionspläne für die beiden japanischen Hauptinseln ausgearbeitet, und die Army ist zu dem Schluss gekommen, dass in der ersten Angriffswelle mindestens 250.000 amerikanische Soldaten ihr Leben lassen werden. Die Zahlen hat man Präsident Truman vorgelegt, und nach eingiebigen Beratungen, hat man den Entschluss gefasst, von der bedingungslosen Kapitulation Japans abzurücken, und dem Kaiser seine Monarchie zuzugestehen. Das war der wahre Auslöser für das Ende des 2. Weltkriegs.
    Die Atombombenabwürfe waren wenn überhaupt nur Randnotizen, die später gerne als Grund angeführt wurden. Nachzulesen in allen seriösen Quellen über den Pazifikkrieg.
    Bemerkenswert für den Kampfgeist der Japaner ist auch, dass der letzte japanische Soldat erst 1978 auf einer abgelegenen Südpazifik Insel kapituliert hat.
    lg Stefan

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  3. Danke für den Beitrag. Weißt du was das Beste daran ist? Die Japaner betrachten die US-Amerikaner als Ihre Freunde #1 und engsten Verbündeten! Ich war bei meinem letzten Besuch wirklich überrascht, dass nicht tiefere Ressentiments vorherrschen. Es liegt aber auch ein wenig an ihrer Kultur.
    Da könnten die Deutschen (und teils Europäer), die den Amerikaner noch deutlich mehr zu verdanken haben - nämlich die Befreiung aus einem wahnsinnigen nationalistisch-sozialistischem System - mal eine Scheibe von abschneiden.

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